Personalentwicklung der Rummelsberger

Diakonische Akademie

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Diakonische Beauftragung – weil es uns wichtig ist


Seit vielen Jahren bieten wir als Rummelsberger Diakonie einen fünfteiligen Kurs Diakonische Beauftragung an. Den Mitarbeitenden und insbesondere dem Vorstand ist es ein Anliegen, das der Diakonische Geist vor Ort in der jeweiligen Einrichtung lebendig gestaltet wird. Und so unterstützen neben all den diakonisch engagierten Kolleg*innen und den Diakon*innen auch Mitarbeitende im Diakonat (=Diakonisch Beauftragte) die Pflege der Diakonischen Identität.

Der Diakonische Geist zeigt sich insbesondere in einer von Wertschätzung und Achtung geprägten Dienstgemeinschaft. Ein respektvoller Umgang untereinander, Angebote für geistliches Leben, Gespräche über ethische und gesellschaftspolitische Verantwortung, die Seelsorge und die eigene Selbstsorge… darin wird klar, was mit Diakonischem Geist gemeint ist. Auch wenn dies im alltäglichen Miteinander bei manch angespannter Arbeitssituation nicht immer so gelingt, diese Dienstgemeinschaft zu leben.

Damit der Diakonische Geist im Arbeitsalltag bedeutend bleibt, unterstützen Kolleginnen und Kollegen dies mit ihrer jeweiligen Diakonischen Beauftragung. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, das „Diakonische“ beständig einzubringen, zu pflegen und sichtbar werden zu lassen. „Sogenannte Ankermenschen“ nennt sie Professorin Dr. Beate Hofmann, Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Es sind Mitarbeitende, welche „ die christliche Spiritualität kennen und leben (personale Identität)“.  Bei uns Rummelsbergern haben sich 72 Mitarbeitende zu solchen „Ankermenschen“ beauftragen lassen.

Beauftragt zu was?

Dem Menschen zugewandt - Claudia Schröders

Das Leben der Kita „Am Hasenbuck“ ist im christlichen Glauben verankert und zugleich von Vielfältigkeit geprägt. Bildungs- und Lernräume zur Verfügung zu stellen, heißt allen Kindern das Kennenlernen unseres christlichen Glaubens mit seinen Festen, Ritualen und sinnstiften Deutungen zu ermöglichen. Das ist Teil des „ermächtigenden Glaubens“. Der „gelebte Glaube“ sind Gemeinschaftserlebnisse, in denen die Kinder spüren, das andere Menschen mit und für sie da sind. Der „angewandte Glaube“ wird in unserem täglichen Handeln sichtbar; für die Kinder da zu sein, ihnen angemessen Partizipation und Autonomie zu ermöglichen. Das Feiern der christlichen Feste im Mehrzweckraum der Kita und in der Gemeindekirche als vertrauter Ort bildet den „gefeierten Glauben“ ab. Der „bezeugte Glaube“ wird deutlich, wenn wir in der Gestaltung der christlichen Feste unsere Überzeugung vermitteln, dass GOTT mit allen Menschen durchs Leben geht.

Kirchliches Leben –Claudia Wachtler

„Nun danket alle Gott…“ hört man es kräftig aus der Kapelle erklingen. Heute ist Erntedank und der Bereich vor dem Altar ist mit vielen Erntegaben geschmückt.
Auch heute ist der Gottesdienst wieder sehr gut besucht und nach dem Glockenläuten und der Begrüßung bekommt jeder Bewohner eine Kartoffel in die Hand. Dadurch wird der Grund des Gottesdienstes nicht nur seh- und hörbar sondern mit allen Sinnen erfahrbar. Dann spielt die Orgel das erste Lied an und auch wenn Sprache fehlt, sieht man an der Lippenbewegung, wie intensiv jemand dabei ist, der sonst kaum noch eigene Worte formulieren kann.
Die Kirchenjahresfeste in unserem Haus sind so wichtig, dass wir seit einigen Jahren dazu mit mobilem Altar ins Foyer umziehen müssen, um den Platzbedarf für alle Bewohner zu decken.

Selbstsorge und Kraft schöpfen – Meike Scholler

Es ist ein Tag mitten im Juli, an dem wir im Kurs Diakonische Beauftragung das Thema Selbstsorge bearbeiten. Ich freue mich schon, denn wir sind im Freien und in der Natur unterwegs. Gleichzeitig beschäftigen wir uns auf den verschiedenen Wegen rund um Sulzbürg mit tiefgehenden, sehr persönlichen und aufwühlenden Fragen. . Am Abend schreibe ich in meine Notizen, dass es ein feierlicher Tag war und dass ich glücklich bin, diesen in der Natur und in der Gemeinschaft verbracht zu haben.
Als ich nun einige Wochen später an meinem Arbeitsplatz Menschen zum Thema Selbstsorge befrage, scheinen genau diese beiden Aspekte für viele im Mittelpunkt der Selbstsorge zu stehen. Zum einen, dass Beruhigung und Trost, und das Finden von Lösungen in der Natur entstehen können. Ein mancher powert sich dabei sportlich aus, ein anderer liebt es, sich auf die grüne Wiese zu legen und den Wolken zuzusehen.
Zum anderen ist das vertrauensvolle Gespräch im sozialen Umfeld, der Familie, der Arbeit in Teams oder in der Gemeinde ein entscheidender Punkt. Sich anvertrauen zu können und gehört zu werden. Seine Sorgen los zu werden.
Und der Gedanke an Gott und der Austausch mit ihm; ein Gott, der liebevoll auf uns schaut.

Gesellschaftliches Engagement - Du stellst meine Füße auf weiten Raum

Der bekannte Bibelvers aus Psalm 31 beschreibt den Wunsch von uns Menschen, sich im Lebensraum frei zu entfalten, diesen zu gestalten oder daran teilhaben zu können. Leider ist dies für viele Menschen nicht in vollem Umfang möglich.
Besonders erfreulich ist dabei, erleben zu dürfen, dass es in unserer Gesellschaft noch sehr viel Engagement gibt. So gibt es im Haus Heimweg eine Kooperation mit einem Gymnasium in Ansbach, bei der Schüler wöchentlich unsere Bewohner besuchen und sich durch Aktionen und Mithilfe einbringen. Die Ferienkinder einer Gemeinde kommen jährlich zu uns und gestalten einen bunten Nachmittag für unsere Senioren. E s gibt eine Elterninitiative, die mit ihren Kindern eine Laternenwanderung ins Haus unternehmen und mit Liedern die christliche Botschaft weitergeben. Wir bekommen regelmäßig Besuch von Kindergärten, Gesangs- und Musikgruppen, werden von Gemeinden und Vereinen zu Kaffeenachmittagen eingeladen oder bei Veranstaltungen und Angeboten durch ehrenamtliche Mitarbeiter kräftig unterstützt.
Wir dürfen ein riesengroßes Dankeschön sagen, dass diese Menschen helfen, Lebensraum weit und bunt zu machen.

Zwölf Kurstage – eine  Beauftragung – ein Überblick

An zwölf Kurstagen innerhalb von eineinhalb Jahren werden folgende Inhalte thematisiert:

  • Einstiegstage: Diakoniegeschichte, Geschichte der Rummelsberger Diakonie, Grundzüge christlichen Glaubens, das Kirchenjahr gestalten
  • Intensivtage: Eigene Glaubensgeschichte, Biblisches Basiswissen, Ethische Fragestellungen, Christliche Alltagsrituale, Andachts- und Gottesdienstgestaltung, Diakonisch handeln im Sozialraum
  • Wahltage: Jede/r Teilnehmer*in sucht sich selbst eine thematisch passende Fortbildung zur Vertiefung aus (z.B. Ethik, Seelsorge)
  • Vertiefungstage: Inhaltliche Vertiefungen, aktuelle christliche Fragestellungen
  • Abschlusstage: Vergewisserung und Stärkung, Rückblick und Ausblick, Segen und Beauftragung im Gottesdienst zum/zur Diakonisch Beauftragten der Rummelsberger Diakonie

Grundlage für den Kurs Diakonische Beauftragung ist die 2003 veröffentlichte Richtlinie der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Mit Rummelsberg haben auch die Evangelische Diakonissenanstalt Augsburg und Diakoneo (Neuendettelsau) die Ausbildung zum/r Mitarbeitenden im Diakonat.

Begegnung, Stärkung und Vergewisserung

Ein  jährlicher Fachtag lädt dazu ein, sich gegenseitig Tipps zu geben und sich über Gelingendes und Schwieriges auszutauschenDarüber hinaus bietet die Diakonische Akademie Unterstützung an:

  • Inhouse-Workshops und Beratung für Andachten-Teams, Kirchenjahresgestaltung und Angebotsentwicklung
  • Unterwegs von Haus zu Haus: Kennenlernen von Rummelsberger Einrichtungen und ihrer jeweiligen Praxis des Diakonischen Geistes.
  • Geistliche Begleitung für Einzelne bei Glaubens- und Lebensfragen
  • Digitale Plattform für Praxistipps und inhaltliche Anregungen

Falls Sie Interesse am nächsten Kurs Diakonische Beauftragung haben, wenden Sie sich bitte an Ihren Dienstvorgesetzten, über den die Anmeldung läuft. Gerne erhalten Sie weitere Informationen in der Diakonischen Akademie.

Auch wenn dieses Engagement Einzelner wirklich sehr erfreulich ist, bleibt es nach wie vor unser aller christlicher Auftrag, das „Diakonische“ einzubringen und zu gestalten. Diese Aufgabe ist nicht delegierbar. Als eine der vier Qualitätsdimensionen haben wir Rummelsberger uns vorgenommen, die Diakonische Identität zu leben; in dem Verständnis, dass der Diakonische Geist zwar offensichtlich aber dennoch unverfügbar ist.

Diakon Martin Rösch
Diakonische Akademie Rummelsberg